Eine grosse Schar ehemaliger CVP-Kantonsrätinnen und -Kantonsräte kam am traditionellen Frühjahrstreffen zusammen, um über das heisse Eisen „Gesundheitswesen“ zu diskutieren. Gesundheitsökonomin Monika Merki Frey und Hausarzt Rolf Naegeli wiesen prägnant auf die grossen Baustellen im Schweizer Gesundheitswesen hin. Die unterschiedlichen Perspektiven der beiden Fachleute führten zu engagierten Diskussionen mit dem erfahrenen Publikum.
Präsident Christoph Häne begrüsste die zahlreich erschienenen ehemaligen CVP-Kantonsrätinnen und -Kantonsräte zum 44. Treffen der Vereinigung und leitete über zu den beiden mit Spannung erwarteten Vorträgen zum Thema „Gesundheitswesen“.
Unökonomisches Kompetenz- und Delegationswirrwarr
Monika Merki Frey, Geschäftsführerin der Trovacon AG, nahm in ihrem Referat eine ökonomische Perspektive ein. Eindrücklich wies sie auf das momentane Kompetenz- und Delegationswirrwarr zwischen Bund, Kanton, Gemeinden und Dritten hin, was zahlreiche Fehlanreize im System verursacht. Die Referentin betont, dass das System dringend ökonomischer gestaltet werden muss.
Bewusst sein muss man sich auch, dass in den nächsten zwei Jahren die gesundheitspolitischen Karten neu gemischt werden. 2010 werden die kantonalen Leistungsaufträge für Spitäler und Kliniken festgelegt, 2011 folgen die Einführung des neuen Pflegegesetzes und der neuen Pflegefinanzierung und 2012 schliesslich die neue Spitalfinanzierung. Dies wird einschneidende Veränderungen in der Gesundheitslandschaft der Schweiz haben, und weder die öffentliche Hand noch die Versicherten sind genügend darauf vorbereitet.
Merki Frey zeigte auch eindrücklich auf, dass Herr und Frau Schweizer sich sehr schwer tun, ihre Krankenkasse zu wechseln. Mit vermehrtem Wechsel der Krankenkassen könnte ein enormes Sparpotenzial genutzt werden. Zudem plädiert die Gesundheitsökonomin für ein vermehrtes interkantonales und überregionales Denken in Sachen Gesundheitswesen und Spitalplanung.
Hausärzte sind unter Druck
Über eine ganz andere Seite des Gesundheitswesens referierte Hausarzt Dr.med. Rolf Naegeli. Mit Zahlen untermauert, wies der Referent eindringlich auf die Wichtigkeit der Hausmedizin hin. 90 Prozent der Krankheitsfälle erledigen die Hausärzte selbständig und abschliessend, dies mit weniger als 10 Prozent der Gesundheitskosten. Naegeli plädierte deshalb überzeugend für die Forderung der Hausarztmedizin und die Sicherstellung der Grundversorgung für die Bevölkerung.
Die laufenden Sparmassnahmen treffen hauptsächlich die Hausärzte. Es fehlt der Hausarztmedizin an Nachwuchs, und das Gesundheitswesen verkleinert das Instrumentarium der Hausärzte mehr und mehr. Als Beispiel erwähnt Naegeli die vom Bund festgelegte Reduktion der Laborgebühren. Die Hausärzte forderten deshalb anlässlich eines Protests am 1. April 2009 in Bern bessere Arbeitsbedingungen, ein umfassendes Mitspracherecht und eine praxisnahe Aus- und Weiterbildung. Rolf Naegeli legte dem interessierten Publikum aus der Politik nahe, sich aktiv für eine bezahlbare Grundversorgung der Bevölkerung einzusetzen.
Gemütlicher Ausklang
Nach intensiven und spannenden Diskussionen mit der Referentin und dem Referenten durfte Christoph Häne Regierungspräsident Josef Keller, Parteipräsident Jörg Frei und Fraktionspräsident Benedikt Würth willkommen heissen. Sie konnten aus erster Hand aus der laufenden Kantonsratssession berichten. Beim Mittagessen stellte sich Lukas Schmucki, der neue Partei- und Fraktionssekretär, den ehemaligen Kantonsrätinnen und Kantonsräte vor. Kollegiale Gespräche und politische Debatten liessen das gelungene 44. Treffen der Vereinigung ausklingen.
2. März 2010