An ihrer Sitzung zur Vorbereitung der Juni-Session nahm die CVP-Kantonsratsfraktion auch Kenntnis vom Bericht "Perspektiven der Volksschule" der Regierung an den Kantonsrat. Damit St.Gallen als Innovations- und Wachstumsstandort wettbewerbsfähig bleibt, muss sich auch das St.Galler Bildungswesen ständig und nachhaltig qualitativ weiterentwickeln können.
Die CVP-Fraktion nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, dass der Bericht der Regierung erstmals einen umfassenden Gesamtüberblick gibt, der auch die diversen Zusammenhänge zwischen den laufenden Projekten klar aufzeigt. Als positiv wertet die CVP auch, dass ihre alten Forderungen nach echten Blockzeiten und einem bedarfsgerechten Mittagstisch-Angebot in der Entwicklung Niederschlag finden.
Volksschul-Strukturen noch zukunftstauglich? Aus Sicht der CVP weist der Bericht jedoch auch erhebliche Lücken auf. So bleibt etwa die Frage nach den Strukturen gänzlich unbeleuchtet: Ist das St.Galler Volksschulwesen mit seinen weit über 100 Schulgemeinden und "zig" Gremien auf Seiten des Kantons bei der heutigen Flut und Geschwindigkeit an Neuerungen weiterhin effizient und vollzugstauglich?
Bei den ergänzenden Betreuungsangeboten fordert die CVP klar, dass der Grundsatz der Bedarfsgerechtigkeit und die Verfassungsprinzipien der Aufgabenverteilung sauber zu beachten sind. Es geht nicht an, dass der Kanton via Vorgaben und Standards – z.B. pädagogisch ausgebildetes Personal für Mittagstische – steuert und die Finanzierung den Gemeinden überlässt. Dies entspräche weder den Anforderungen einer zeitgemässen Aufgabenverteilung noch der Bedarfsgerechtigkeit und würde die Prinzipien der neuen Kantonsverfassung verletzen.
Finanzielle Entwicklung wenig transparent
Zu wenig Aufschluss gibt der Bericht des Weitern über die Finanzen. Relevant sind nicht in erster Linie die Gesamt-Bildungskosten, sondern jene pro Schüler. In diesem Zusammenhang ist zu hinterfragen, ob die Steuerung via Lektionentafel noch zeitgemäss ist. Eine Fokussierung auf Lehr- und Lernziele würde hier eine Flexibilisierung ermöglichen. Diese Chancen werden im Bericht nicht beleuchtet.
Schliesslich stellt die CVP fest, dass die Regierung im Bericht oberflächlich mit den Vorgaben des Kantonsrates umgeht, wie sie in der Beratung der Vorlage "Kindergarten und Primarschule im Wandel der Gesellschaft" im Jahr 2003 formuliert wurden – so etwa in der Frage der Flexibilisierung des Schuleintritts. Dies wirft grundsätzliche Fragen auf.
Fehlende Entwicklungsperspektiven
Die CVP wird diese und andere Kritik und Anliegen in die vorberatende Kantonsratskommission zum Bericht einbringen. Insbesondere fordert die CVP, dass der Blick zu öffnen ist hin zu einer koordinierten Gesamtstrategie für das gesamte St.Galler Bildungswesen – über die Volksschule hinaus.
Eine Studien- und Expertengruppe der CVP hat das St.Galler Bildungswesen und insbesondere seine Strukturen in den vergangenen Monaten unter die Lupe genommen. Sie hat in zwei Bereichen Handlungsbedarf geortet, in denen der Volksschul-Bericht ebenfalls ungenügend Antwort gibt: Einerseits ist im ganzen Schulwesen eine koordinierte Kommunikation sicherzustellen. Nur so ist der Verunsicherung beizukommen, die aktuell bei Behörden, Schulleitungen und Lehrpersonen der Volksschule herrscht. Anderseits fehlt eine proaktive, umfassende Langzeit-Bildungsplanung, die dank systematischer Beobachtung frühzeitig Stärken und Schwächen des Systems erkennt und entsprechende Massnahmen definiert. Mit anderen Worten: Indem sauber analysiert und dann koordiniert gehandelt wird, werden teure Leerläufe vermieden und Kosten gespart.
31.05.2006